Pickard, John – Sinfonie Nr. 5

In neue Gefilde

Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel

 

Martyn Brabbins läuft zusammen mit dem großartigen BBC-Orchester aus Wales in den Werken von John Pickard zu Höchstform auf. Hochspannend, differenziert, vielfarbig.

John Pickard (geb. 1963) gehört längst zur nachwachsenden nächsten britischen Komponistengeneration. Sein profiliertes Œuvre, das im Bereich Orchestermusik seit einigen Jahren beim schwedischen Label BIS dokumentiert wird (die Kammermusik bei Dutton und Toccata), umfasst vornehmlich Orchester- und Kammermusik. Sein Einsatz auch für Komponisten in seinem Umkreis ist beachtlich – unmittelbar fallen Robert Simpson und Havergal Brian ein. Ein Beitrag auf der vorliegenden SACD führt gleichwohl in eine ganz andere Richtung: eine Transkription der Toccata aus Monteverdis ‘Marienvesper’ (die wir auch aus dem ‘Orfeo’ kennen) für modernes Orchester (die Besetzung wurde teilweise durch Giacinto Scelsis ‘Anahit’ bedingt, das im selben Konzert wie die Monteverdi-Bearbeitung zur Aufführung kommen sollte). Ein harmonischer, klanglich wohl abgewogener Abschluss einer spannenden SACD, die mit einer Tour de force beginnt: Die Fünfte Sinfonie entstand 2014 für das BBC National Orchestra of Wales, das das Werk unter Leitung von Martyn Brabbins am 7. Juni 2016 in Cardiff aus der Taufe hob. Ein beeindruckendes, musikalisch äußerst dichtes Werk, das immer wieder beträchtliche Virtuosität vonseiten der einzelnen Instrumentalisten (allen voran der drei Paukisten, die im Raum verteilt eigene melodiegestaltende Anteile einzubringen haben) erfordert. Obschon durchkomponiert, weist der Komponist auf eine ‚Viersätzigkeit in der Einsätzigkeit‘ hin, die dem Werk besondere Einheit und Tiefe verleiht. Es würde zu weit führen, würde man alle besonderen interessanten Momente der Komposition auflisten wollen – selbst die Listung der instrumentalen Details, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, würde überlang und vermutlich bei jedem Hören deutlich länger (dennoch kann das grandios stetig gesteigerte Finale hier nicht unerwähnt bleiben).

 

Full review Klassik.com